Mathilde Redenbacher

Bemerkenswert ist die Haltung der Mengerskirchener zu den Judengesetzen gewesen. So lebte während des Krieges eine jüdische Frau, Dr. Dorothea Klein, die Tochter eines Arztes aus Berlin, unerkannt im Hörterhaus (steht in der Neuen Straße) . Vor 1933 war sie, da sie Kunstgeschichte studiert hatte, in einem Berliner Museum angestellt. Später musste sie wegen ihrer Rasse in einem Rüstungsbetrieb arbeiten. Ihre jüdischen Eltern wurden in das Vernichtungslager-Theresienstadt gebracht, wo die Mutter umkam. Im Rahmen der Vernichtungsaktion war Frau Dr. Klein in Berlin bereits einem Transport nach Auschwitz zugeteilt. Bei dem Aufenthalt des Transportes in einem Berliner Bahnhof wurde plötzlich ihr Name aufgerufen und ihr die Möglichkeit gegeben, sich von dem Transport zu entfernen und unterzutauchen. Mit Hilfe einer ihr vertrauten Frau und der fast unglaublich erscheinenden Unterstützung durch einen Briefträger bekam sie einen Ausweis, der auf den Namen Weber lautete. Das war nur möglich, weil sie behaupten konnte, durch einen Fliegerangriff seien ihre Personalpapiere verloren gegangen. Für die Vorgänge um die Flucht aus dem Auschwitz-Transport gibt es vielleicht die Erklärung, dass der Reichsärzteführer Dr. Conti, dessen Lehrer einmal der Vater von Dr. Klein war, die Hand dabei im Spiele hatte.

Dorothea Klein kam nun nach Mengerskirchen ins Hörterhaus, dessen Verwalterin, ein Fräulein Mathilde Redenbacher, eine Freundin von Frau Klein war. Hier lebte sie nun als Frau Weber unerkannt bis zum Einmarsch der Amerikaner, die ihr dann auch wieder Personalpapiere auf ihren richtigen Namen ausstellten. Wäre vorzeitig bekannt geworden, dass im Hörterhaus eine Jüdin versteckt werde, hätte Fräulein Redenbacher nicht nur schwerste Strafen befürchten müssen, sondern es wäre auch zu einer Beschlagnahmung des Hörterhauses gekommen, wo weitere Personen lebten. Die Existenz der Frau Dr. Klein war fast niemandem bekannt. Möglicherweise wussten Nachbarn davon, die aber schwiegen. Eine Mitbewohnerin des Hörterhauses sagte: "Das Motiv für das mit tödlichem Risiko belegte Handeln von Fräulein Redenbacher war ihre christliche Lebenseinstellung". Sie war übrigens die Tochter eines evangelischen Pfarrers.

 


>>>Ein Artikel dazu von Herbert Leuninger<<<